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Wie sich eine Verlust-Aversion auf die Ergebnisse auswirkt

Warum Spieler bessere Ergebnisse erzielen, wenn sie verlieren

Verlust-AversionEgal ob Golfer, Fußballspieler oder Tennisstar, jeder Profisportler hasst es, zu verlieren. Das ist offensichtlich. Aber wussten Sie schon, dass Sportler, die versuchen, eine Niederlage abzuwenden, tatsächlich bessere Leistungen erzielen, als die, die nur versuchen, zu gewinnen?

Diese „Verlustaversion“ lässt sich psychologisch ganz einfach erklären: Menschen hassen es, wenn ihnen etwas weggenommen wird. Folglich geben Sportler und Sportlerinnen alles, um einen „Verlust“ zu verhindern. Dieses Thema wurde bereist ausgiebig erforscht. Eines der besten Beispiele bietet aber die PGA Tour, die zeigt, welche Auswirkungen die Verlustaversion bei Profigolfern hat.

Die Forscher Devin Pope und Maurice Schweitzer untersuchten 2.525.151 Putts, die zwischen 2004 und 2009 bei der PGA Tour gespielt wurden, und stellten fest, dass Putts für Par unverhältnismäßig häufiger erfolgreich waren als Putts für Birdie. Unglaubliche 82,9% der Putts für Par waren erfolgreich, bei den Putts für Birdie lag die Erfolgsquote dagegen lediglich bei 28,3%.

Verlustaversion_Golf

 

Natürlich sind nicht alle Putts gleich und es ist wahrscheinlich, dass die Birdie-Versuche aus schwierigeren Distanzen erfolgten als die Par-Versuche. Aber auch bei Berücksichtigung der Entfernung stellten die Forscher fest, dass die Golfer bei Putts für Par um 3,7% erfolgreicher waren als bei Putts für Birdie. Woran liegt das?

Die Forscher stellten die Theorie auf, dass die Verlustaversion eine Rolle spielt. Während beide Situationen – Verpassen eines Birdies und Verpassen des Pars – bedeuten, dass der Spieler um einen Schlag schlechter dasteht, wird das Versenken eines Birdies aus psychologischer Sicht immer als „Punktgewinn“ eingestuft, da der Golfer einen Punkt unter Par bleibt. Ein Bogey dagegen gilt immer als Punktverlust (ein Punkt über Par) und entsprechend scheinen die Spieler sich mehr anzustrengen, um eben diesen Verlust zu vermeiden.

Die Verlustaversion führt auch zu einem weiteren golfspezifischen Phänomen. Nicht erfolgreiche Birdie-Putts sind in der Regel zu kurz, sodass die Spieler sich in einer vorteilhafteren Position befinden, wenn sie den Ball nicht versenken. Zu lange Schläge könnten den Spieler in eine noch schlechtere Position versetzen.

Verlustaversion in anderen Sportarten

Im Golf lässt sich die Verlustaversion leicht beziffern, dieses Phänomen kann jedoch auch in vielen anderen Sportarten und Situationen enorme Auswirkungen haben. Ein offensichtliches Beispiel ist die Endphase von Fußballspielen.

Wenn eine Mannschaft vorne liegt, spielt sie gegen Ende der Partie meist recht defensiv und versucht nicht, ihre Führung noch weiter auszubauen. Dies passiert, obwohl die Tabellenstruktur Teams bevorzugt, die mehr Treffer erzielen (Tordifferenz), und obwohl in Aufeinandertreffen mit Hin- und Rückspiel die Anzahl der erzielten Tore entscheidend sein kann.

In gewisser Weise ist es auch unlogisch, dass Mannschaften, die eine gute Leistung gezeigt haben, ihre Taktik ändern, obwohl ihre ursprüngliche Stärke sie doch überhaupt erst nach vorn gebracht hat.

Die geänderte Taktik lässt sich mit der menschlichen Heuristik erklären, die auch als „Guthabentheorie“ bekannt ist. Die Guthabentheorie besagt, dass bei einer Person– oder in diesem Fall bei einer Mannschaft– die Verlustaversion noch steigt, wenn sie bereits etwas gewonnen hat. Mannschaften beginnen Spiele beim Stand von 0:0. Wenn sie dann ein Tor erzielen, betrachten sie das Spiel anschließend aus einer neuen Perspektive.

Angesichts des Vorsprungs von 1:0 wird der Wunsch kleiner, weitere Tore zu erzielen, da ein Sieg mit zwei Toren nur unwesentlich wertvoller ist als ein Sieg mit einem Tor. Beide sind jedoch viel wertvoller als ein Unentschieden.

Die Verlustaversion kann auch als Erklärung für die Taktik herangezogen werden, die im ersten Spiel eines Aufeinandertreffens mit Hin- und Rückspiel zum Einsatz kommt. Auswärtsmannschaften gehen meist defensiv an das Spiel heran und versuchen, zu kontern, während Heimmannschaften kein Auswärtstor zulassen möchten, das wertvoller ist als ein Heimtor.

Referenzpunkte statt drei Punkten

Der Versuch, in einer Begegnung mit Hin- und Rückspiel keinen Gegentreffer zuzulassen, ist ein gutes Beispiel dafür, wie nicht nur das Endresultat von der Verlustaversion beeinflusst werden kann, sondern auch das gewünschte Ergebnis.

Wenn eine Mannschaft 3:0 gewinnen möchte, kann sie eine Verlustaversion gegen jedes andere Endergebnis haben. Dies liegt daran, dass dieses Ergebnis ein „Referenzpunkt“ ist, also das Ergebnis, das die Mannschaft erzielen möchte. Jedes schlechtere Ergebnis wäre eine Enttäuschung. Entsprechend gilt, wenn die Heimmannschaft kein Gegentor zulassen möchte, die Verlustaversion nicht nur für das Spielresultat, sondern auch für das Zulassen von Gegentoren.

Ein Beispiel für die Verlustaversion beim Tennis

Eines der besten Beispiele für die Verlustaversion tritt beim Tennis auf und zwar gewöhnlich zweimal pro Aufschlagspiel. Tennisspieler nutzen (fast ohne Ausnahme) einen langsameren zweiten Aufschlag, um einen Doppelfehler zu vermeiden, der automatisch zum Punktverlust führt.

Während nur 65% der ersten Aufschläge gültig sind, geht der Punkt in 75% dieser Fälle an den Aufschlagenden. Beim zweiten Aufschlag beträgt die Verteilung 50:50. Dies bedeutet, dass die Erfolgswahrscheinlichkeit bei einem schnellen ersten und langsamen zweiten Aufschlag 66,3% beträgt. Bei zwei schnellen Aufschlägen läge sie bei 75%.

Verlustaversion_Tennis

Diese Verlustaversion bei Aufschlägen kostet Tennisspieler tatsächlich 8,7% der Chance auf den Gewinn des Aufschlagpunkts.

Verlustaversion und Wettende

Die Verlustaversion kommt nicht nur bei Profigolfern und Fußballmannschaften zum Tragen. Wettende können ihr auch erliegen und dadurch irrationale Entscheidungen treffen.

Quelle: PinnacleSports.com

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