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Der Heiligenschein-Effekt

Warum Wettinteressierte bequeme Entscheidungen treffen

Heiligenschein-EffektViele Menschen wetten intuitiv. Sie verlassen sich auf das, was sie über ein bestimmtes Team oder einen Spieler wissen oder zu wissen glauben, um dessen Erfolgschancen einzuschätzen. Intuition ist sicher hilfreich, wenn man herausfinden möchte, ob jemand wütend auf einen ist, nicht jedoch, wenn man Wahrscheinlichkeiten einschätzen möchte. Ein Grund dafür ist der Heiligenschein-Effekt.

Der Heiligenschein-Effekt

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Die meisten Personen haben aufgrund dieser Beschreibungen von Alan einen besseren Eindruck als von Ben. Das ist seltsam, schließlich sind die aufgeführten Eigenschaften identisch und werden nur in umgekehrter Reihenfolge genannt.

Aber anstatt anzuerkennen, dass der einzige Unterschied in der Reihenfolge des Dateneingangs besteht, möchte die bequeme Seite unseres Gehirn (häufig als „System1“ bezeichnet) bei der Auswertung konsistent vorgehen und schnell einen schlüssigen Bericht vorlegen.

Die am Anfang stehende positive Eigenschaft– Alan ist intelligent– bringt uns dazu, die nachfolgenden Eigenschaften als unterstützend zu beurteilen, und umgekehrt geschieht dies mit dem eifersüchtigen Ben. Dies ist als Heiligenschein-Effekt bekannt.

Was hat dies mit dem Wetten zu tun? Ersetzen Sie die fiktiven Personen im Beispiel durch zwei Fußballclubs und die Charaktereigenschaften durch Ergebnisse und Leistungen. Es lässt sich leicht erkennen, wie Wettentscheidungen durch die Reihenfolge beeinflusst werden, in der Informationen erworben werden, sowie durch die Bedeutung unterschiedlicher Leistungen.

Dies ist nicht die einzige Art der Beeinflussung. Menschen sind auch anfällig für die Verfügbarkeits-Heuristik, durch die wir Ereignissen und Gedanken, an die wir uns am deutlichsten erinnern, eine unproportional größere Bedeutung zumessen. Die Verfügbarkeit ist eng mit der Stärke unserer emotionalen Reaktion auf Ereignisse verknüpft, die größer ist, wenn sie einen bleibenden Eindruck hinterlassen, wie dies z.B. bei Spielen mit vielen Tore oder 5-Satz-Klassikern der Fall ist.

Werfen wir mit dem Wissen über den Heiligenschein-Effekt und die Verfügbarkeits-Heuristik einen Blick auf einige Beispiele aus dem Wettbereich, auf die diese Phänomene zutreffen:

Brasilianische Fußball-Nationalmannschaft

Die brasilianische Nationalmannschaft unterscheidet sich aufgrund der Verehrung, die ihr entgegengebracht wird, von allen anderen Nationalmannschaften, wodurch sie bei Wettinteressierten überproportional gut eingestuft wird. Es ist wahr, dass die Seleção mehr WM-Titel feiern konnte als jede andere Nation. Allerdings stammen die fünf Titelgewinne aus zwei konkreten Zeiträumen, 1958–70 und 1994–2002, während die Mannschaft in den letzten beiden Turnieren bereits im Viertelfinale scheiterte und 2014 unter enormem Erwartungsdruck stand.

Die Erfolgsphasen der Brasilianer, die mit der goldenen Ära von Pele, Carlos Alberto, Rivelino usw. begannen, haben einen „Heiligenschein“ geschaffen, der zu einer verzerrten Wahrnehmung aller brasilianischen Mannschaften führt. Dies wird durch die von den wunderbaren Toren, insbesondere 1970 in Mexiko, geschaffene Verfügbarkeits-Heuristik noch unterstützt.

Jüngere Generationen sind mit den Ereignissen, die über 40 Jahre zurückliegen, weniger vertraut, die Medien verstärken den Eindruck jedoch (Voreingenommenheit), indem sie immer wieder betonen, welche Ausnahmetalente alle brasilianischen Spieler doch seien. Diese gleichbleibende Auswertung führt zu einem schlüssigen Ergebnis. „Brasilien hat viele der talentiertesten Spieler hervorgebracht, also sind alle brasilianischen Spieler talentiert“.

Auch wenn wir uns bei den Fans mit dieser Aussage sicher keine Freude machen, betrifft der Heiligenschein-Effekt auch den FC Liverpool. Die Mannschaft gewann zwischen 1973 und 1990 insgesamt elf nationale Titel, eine Bilanz, von der sich die nachfolgenden Teams nicht freimachen können. Dies kann dazu führen, dass Wettinteressierte das aktuelle Liverpooler Team überschätzen, das außer seiner Geschichte nichts mit diesen großartigen Teams gemeinsam hat.

Der Heiligenschein-Effekt erklärt auch, warum bekannten ehemaligen Fußballern, die Trainer werden, ungewöhnlich viel Vertrauen entgegengebracht wird. Es gibt keinen statistischen Beweis dafür, dass ein guter Spieler auch ein guter Trainer ist. Mark Hughes war ein großartiger Spieler bei Manchester United und Chelsea, und als er die Trainerrolle übernahm, wurden von ihm ähnlich großartige Leistungen erwartet. Der Heiligenschein, den sich solche Spieler während ihrer aktiven Zeit geschaffen haben, bringt viele Clubs, Fans und Wettinteressierte dazu, von ihnen bei der Zusammenstellung einer Mannschaft mehr zu erwarten, als sie tatsächlich leisten können. Dieses Thema wurde durch das Buch „Die Kunst zu gewinnen“ sowie den gleichnamigen Film einem breiten Publikum bekannt.

Umgekehrter Heiligenschein

Der Heiligenschein-Effekt kann auch umgekehrt funktionieren Wenn das erste, was Sie von ihrem Urlaubshotel sehen, ein kaputtes Schild ist, kann dies eine negative Grundstimmung schaffen, die alle nachfolgenden Urteile über ihren Urlaub beeinflussen. Beim Wetten kann eine schlechte Leistung negativen Einfluss auf alle zukünftigen Einschätzungen haben.

Nachdem Rory McIlroy in der Finalrunde der US Masters 2011 einen Vorsprung von 4 Schlägen noch abgegeben hatte, war „Versager“ noch eine der harmlosesten Bezeichnungen in den Zeitungs-Schlagzeilen. Vor dem Turnier war er einer der aufsteigenden Stars des Sports, die dramatische 80er-Runde, die der junge Golfer sichtbar aufgebracht absolvierte, veränderte (dank der Verfügbarkeits-Heuristik) die Einschätzung vieler Wettinteressierter jedoch grundlegend. Jeder Wettende, der eine umfassendere Beurteilung vorgenommen hatte, konnte zwei Monate später profitieren, als er die US Open mit einem Vorsprung von acht Schlägen gewann. Im Jahr 2012 folgte bei der US PGA Championship sein zweiter großer Turniergewinn.

Wären diese Ereignisse in umgekehrter Reihenfolge eingetreten – zunächst ein Sieg bei zwei großen Turnieren und anschließend der Einbruch in der Masters-Finalrunde – hätten viele bei der Einschätzung seiner zukünftigen Leistungen mehr Nachsicht walten lassen. Dies gilt ganz besonders für McIlroys Verlassen des Kurses in der zweiten Runde des Honda Classic (am 1. März) mit einer Bilanz von 7 über Par und einem „schlechten mentalen Zustand“. Der „Heiligenschein“, den er durch große Erfolge erlangt hat, wird sich nur mäßig auf die Einschätzungen von Wettinteressierten bei zukünftigen Turnieren auswirken.

Schlussfolgerungen

Unsere Intuition ist wertvoll und stark und kann uns das Leben retten, indem sie uns Gefahren erahnen lässt. Bei statistischen Einschätzungen kann sie jedoch zur echten Schwäche werden. Der Trick besteht darin, unser aufwändiges Gehirn (System2) zu aktivieren.

Vor einer Entscheidung bezüglich einer Wette muss unbedingt Folgendes beachtet werden:

  • Suche absichtlich nach drei Gegenargumenten, die deine Einschätzung widerlegen
  • Berücksichtige so viele objektive Daten wie möglich mit einer möglichst großen Stichprobe
  • Ignoriere die Mainstream-Medien, die häufig die Vorurteile schüren

Wettinteressierte, die sich mit interessanten Aspekten der Psychologie wie dem Heiligenschein-Effekt beschäftigen, möchten ihr Wissen vielleicht gern weitergeben. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sie ihre eigene Voreingenommenheit bezüglich des Heiligenscheins von Sportlern oder Mannschaften überwinden können. Es geht also nicht darum, neue Fakten zu lernen, sondern das Verständnis von Situationen weiterzuentwickeln.

Quelle: PinnacleSports.com – Die besten Quoten im Internet

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