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Ballbesitz-Statistiken beim Fußball

Wird vermehrter Ballbesitz gleichgesetzt mit erhöhten Gewinnchancen?

Ballbesitz-StatistikenBallbesitz ist eine der umstrittensten, der in letzter Zeit verfügbaren unterschiedlichen Fußball-Statistiken, die regelmäßig bei Analysen von Live-Spielen angeführt werden. Allgemein wird angenommen, dass vermehrter Ballbesitz etwas positives ist. Ist diese Annahme jedoch stichhaltig und zu welchem Ausmaß sollten Wettkunden Ballbesitz-Statistiken nutzen, als Hindernis einer Mannschaft Spiele zu gewinnen?

Von den Fakten Besitz ergreifen

Der Erfolg von Teams, die eine Ballbesitzbasierte Spieltaktik haben – wie z.B. Barcelona auf Clubebene und Spanien bei internationalen Turnieren – gepaart mit dem von diesen Teams praktiziertem, ästhetisch ansprechenden Charakteristika der Pässe, hat das Beherrschen des Ballbesitzes zum Ziel vieler Mannschaften gemacht.

Außerdem was oft wiederholte Zitat von Brendan Rodgers, Liverpoool, “wenn man das Spiel mit dem Ball beherrschen kann, hat man eine Chance von 79% zu gewinnen” wird ebenfalls als Bestätigung für einen Ballbesitz-basierten Fußball betrachtet.

Wenn wir jedoch die letzten Spiele genauer betrachten, ist der Erfolg eines kurzen, zugespielten Ballbesitz-orientierten Ansatzes durchwachsener, als die Befürworter dieses Ansatzes behaupten.

Spanien schied bei der Weltmeisterschaft 2014 in der Gruppenphase aus, obwohl es mehr als 60% in Ballbesitz war, zuerst in der Niederlage gegen die Niederlande und dann Chile. Auch ihren Erfolg bei der EM 2012 verdankte es vielfach einem erfolgreichen Elfmeter-Schießen im Halbfinale gegen Portugal, einem Team, das nur einen geringen Ballbesitz während des Turniers aufwies.

Barcelona eroberte Europa 2008/09 und 2010/11 mit Ballbesitz-Zahlen während des Turniers um die mittleren bis oberen 60% und einer durchschnittlichen Anzahl von Pässen von ca. 700 pro Spiel. Dazwischen lagen Siege für Inter Milan, mit 45% Ballbesitz im Wettbewerb insgesamt, kaum ein Drittel im Finale und gerade mal 400 Pässe pro Spiel in 2009/10, gefolgt von Chelsea mit 47% Ballbesitz insgesamt in 2011/12.

Den Ballbesitz-Trends entgegenwirken

Zahlreiche groß beachtete Head-to-Head-Meetings sind zugunsten jenes Teams ausgegangen, das den Ballbesitz vermeidet, insbesondere Chelseas Gesamtsieg über Barcelona 2011/12, gewonnen mit nur 20% des Ballbesitzes und Real Madrids 5-0 Prügel eines Pep Guardiola, der diese Jahr Bayern München zum CL Halbfinale führte mit weniger als 30% Ballbesitz insgesamt.

Alle Beispiele sind kleine Stichproben und Rosinen im Kuchen, aber sie scheinen der präzisen Annahme von Rodgers zu widersprechen, sowie der Behauptung, dass ein Team nur länger im Besitz des Balls sein muss, als der Gegner, um eine ausgezeichnete Chance auf den Sieg zu haben.

Ballbesitz ist eine Zusammensetzung aus anderen wichtigen Statistiken

Die größte Schwachstelle des seltenen Ballbesitzes als wichtiger Indikator ist, das es sich um eine zweitrangige Statistik handelt, die hergeleitet wurde aus einer Zusammensetzung mehrerer primärer Statistiken, die für den Erfolg eines Teams weitaus wesentlicher sind.

Teams kommen in Ballbesitz, indem sie gut sind bei Grätschen und beim Abfangen, sie bleiben in Ballbesitz durch gute Pässe und nutzen ihn um Torchancen zu schaffen. Sie schießen Tore, indem sie diese Chancen nutzen und sie gewinnen Spiele, indem sie mehr möglich Tore schießen.

Wir haben also eine Kette, mit Spielergebnissen an einem Ende und Dauer des Ballbesitzes am anderen, aber dazwischen gibt es Statistiken, die von den Fähigkeiten abhängen – oft vom aktuellen Spielstand abhängig – was bessere Indikatoren für Spielerfolg sind. Ballbesitz an sich ist kein starker Indikator für die Leistung einer Mannschaft. Wichtiger ist, was eine Mannschaft erreicht, wenn sie im Ballbesitz ist.

Aufzeigen der Defizite beim Ballbesitz

Swansea, in seinen ersten Premier- League-Saisons, verkörperte die Verwirrung, die einfache Ballbesitz-Zahlen verursachen können. Das walisische Team war nicht überzeugend, im Vergleich zu Barcelona, hauptsächlich weil ihre Ballbesitz-Zahlen mit denen des katalanischen Teams konkurrierten.

Während jedoch Barcelona den Ballbesitz hoch oben, im letzten Drittel des gegnerischen Felds nutzte und schnelle, komplizierte Passsequenzen kombinierte – bekannt als tika-taka – um Chancen für Weltklasse-Spieler zu schaffen, war Swanseas Nutzung des Ballbesitzes viel konservativer, fest verwurzelt in ihrer eigenen Spielfeldhälfte, oft Quer- oder Rückwärts-Pässe beinhaltend und entworfen als Verteidigungstaktik, konzentriert auf Ballkontrolle, um die Gegner vom Scoring abzuhalten.

In derselben Saison 2011/12, in der Swansea die drittbeste Ballbesitz-Statistik in der EPL nutzte, um 472 Chancen zu schaffen, hat Barcelona die Ballbesitz-Charts von La Liga getoppt und 626 Chancen geschaffen. Die vier Teams unmittelbar um Swansea in der EPL- Ballbesitz-Tabelle nutzten ähnliche Ebenen der Ballkontrolle, um durchschnittlich 681 Chancen in der gesamten Saison zu schaffen, fast 50% mehr. Am Ende der Saison beendete Swansea einen angemessenen, aber mittelmäßigen 11-ten.

Swanseas Entscheidung, den Ballbesitz eher auf defensive als auf offensive Weise zu nutzen, war das Ergebnis ihrer Einschränkungen als frisches Aufsteiger-Team. Sie schützten den Ausgangspunkt eines Spiels auf die gleiche Weise, wie talentiertere Teams manchmal den Ballbesitz nutzen, um ihren Vorsprung zu schützen.

Stoke City war 2008/09 einen ähnlichen Weg gegangen, mit einem umgekehrten Ansatz, dieses Mal durch Gewähren des Ballbesitzes und dem Vertrauen auf Chancen, resultierend aus Standardsituationen und großen Distanzen, um Torchancen zu schaffen, während sie den Gegner Torchancen durch eine kompakte Dreierabwehr erschwerten.

Der Mourinho-Ansatz des Ballbesitzes

Berühmtere Teams, besonders jene gemanagt von Jose Mourinho, scheinen auch bereit zu sein den Ball zu opfern, im Gegenzug einer stabilen Verteidigung und Torchancen resultierend aus Gegenangriffen oder Standardsituationen, besonders bei Konfrontationen mit technisch überlegenen Gegnern.

Ein Spiel wird manchmal durch einen gegnerischen Fehler gewonnen. Fehler werden, aus Mourinhos Sicht, wahrscheinlicher von dem Team begangen, das im Ballbesitz ist und deswegen gibt er ihnen gerne die Möglichkeit seine Teams mit einem Geschenk vorzustellen und gleichzeitig versucht er sicherzugehen, dass das Spiel stagniert

Mourinhos Chelsea demonstrierte diesen taktischen Aspekt des Ballbesitzes, als sein Team 2014 als Außenseiter nach Anfield kam, nur 27% im Ballbesitz war, aber Liverpool 2-0 besiegte, mit Toren resultierend aus einem Fehler von Gerrard und einem flinken Gegenangriff, der wirksam die Titelambitionen der Reds vernichtete.

Obwohl Mourinho zufrieden mit dem Ballbesitz ist und die Richtung des Spiels gegen unterlegene Mannschaften diktiert, ist er anpassungsfähig bei der Konfrontation mit einer ernsteren Herausforderung. Die voraussichtlichen Ballbesitz-Statistiken für das Spiel Liverpool-Chelsea waren praktisch vor Anpfiff festgesetzt, und hätten deswegen von den Wettkunden antizipiert werden können.

Pragmatismus, die Methode von Pulis

Das Spielen ohne Ball erzeugt oft unattraktive Fußballspiele und eine negative Reaktion der Medien. In vielen Fällen jedoch greifen Teams auf diese Taktik zurück, um die besten Chancen auf ein gutes Ergebnis zu haben.

Stoke City war unter Tony Pulis vielen ihrer Premier-League-Gegnern technisch unterlegen, eine offene Verteidigungshaltung, sowohl im Heimspiel als auch auswärts, gepaart mit langen Bällen in die gegnerische Spielfeldhälfte, gefolgt von kurzem Ausüben von Druck, war also ein pragmatischer Ansatz, um ihre Chancen Punkte zu sammeln zu maximieren. Fast jeder ihrer 56 unter Pulis erzielten Siege kam mit weniger als 50% Ballbesitz zustande.

Ballbesitz ist nur von geringem Interesse, der wahre Wert liegt darin, welche wichtigen Events während dieser Runden des Ballbesitzes oder Nicht-Ballbesitzes stattgefunden haben. Wie viele Torchancen hat ein Team geschaffen oder gewährt und genau so wichtig, waren die Chancen von hoher Qualität oder nicht? Da diese Arten von Statistiken einfach zusammengetragen werden können und ihr Zusammenhang mit Toren und ultimativen Spielergebnissen groß ist, ist es weniger erforderlich den Ballbesitz anzugeben und die Versuchung Schlüsse zu ziehen alleinig aus dem Ballbesitz sollte vermieden werden.

Echte Maßnahmen der Teamfähigkeit

Ein eindeutiger Indikator der Fähigkeit eines Teams liegt darin, wie es den Ballbesitz nutzt, um Torchancen zu schaffen und wie gut es den Ballbesitz des Gegners stören kann. Ein Team mag ein anderes im Ballbesitz übertrumpfen und sogar mehr Torchancen erzeugen, aber diese Torchancen sind vielleicht von schlechterer Qualität, auf Grund ihres unvorteilhaften Schussstandortes und einer potentiell höheren defensiven Verteidigungsleistung.

Chelsea’s Tor aus Gegenangriff in Anfield und Ronaldos Angriff für Real Madrid in dem UCL Rückspiel in München, besiegte einfach einen exponierten Tormann. Diese Tore aus hochqualitativen Gegenangriffen sind nicht typisch für all die Chancen, aber durch die Nutzung von Schuss-Position-Daten, scheint es, dass Chancen erzeugt aus Gegenangriffen bedeutend öfter zu Treffern werden, als ähnliche Schüsse aus dem Spiel heraus, die oft langsam aufgebaute Spielerkonstellationen einschließen und es der Verteidigung erlauben sich zu organisieren.

Deshalb ist es vernünftiger Schlüsse zu ziehen aus grundlegenden Statistiken, wie z.B. Schüssen, eingebunden in ihrem eigenen Kontext, als anzunehmen, dass dominanter Ballbesitz ein automatischer Indikator für ein überlegenes Team ist und jeder Verlust bedauernswert war.

Teams mit wenig Ballbesitz haben oft andere Scoring-Modelle Bei La Liga, beispielsweise, der Heimat des Ballbesitz-Fußballs, neigen niedrigere Ballbesitz-Teams zu proportional mehr Toren aus Standardsituationen und Gegenangriffen, als Teams, die dem Barcelona-Modell folgten.

Die diesjährigen Gewinner, Atletico Madrid, erzielte die meisten ihrer Tore aus Standardsituationen und Gegenangriffen, wobei sie 49% Ballbesitz hatten. Diese Zahl fiel auf 45% in der UEFA Champions League, wo über die Hälfte ihrer Tore entweder aus Gegenangriffen oder Standardsituationen stammten. In Finale haben sie innerhalb drei Minuten ihren Lokalrivalen, Real Madrid, besiegt.

Ballbesitz-Zahlen sagen wenig aus über die Effizienz eines Teams, obwohl auf Ballbesitz-basierende Teams auch gute Teams sein können, indem sie eine Illusion erzeugen eines allgemeinen umfassenden Zusammenhangs. Es hilft wenig Sie darüber zu informieren, wie sie die Spieltaktik ausgesucht haben oder dazu verpflichtet wurden.

Quelle: PinnacleSports.com – Die besten Quoten im Internet

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